Nachdem ich beruflich ein iPad 2 in Händen hielt, wollte ich auch privat den Schritt in das Tablet-Zeitalter wagen. Meine
Suchkriterien waren einfach: günstig, Android 4, 10" Display, 1GB RAM
und GPS. Vor knapp einem Monat (Mitte April 2012) war die Liste der Treffer recht kurz, das
Archos 101 G9 Turbo war mit knapp 300EUR der günstigste Kandidat, der es dann auch in den
Warenkorb schaffte. Die Turbo Variante mit 8GB Flashspeicher und 1,5GHz
OMAP Multi Core CPU sollte mit Android 4 geliefert werden, es war dann
doch "nur" 3.2 vorinstalliert - allerdings meldete das Gerät kurz nach Verbindung mit meinem WLAN das entsprechende Update, das dann auch recht zügig durchgeführt wurde. Bei der Gelegenheit fiel mir der subjektiv recht gute WLAN Empfang aus - der WLAN AP steht im EG, der Empfang im DG durch eine Stahlbetondecke und eine Holzdecke war immer noch recht gut. Mein EEEPC und meine Android Smartphones kämpfen da schon mit Verbindungsabbrüchen.
In anderen Tests wird das Gerät gerne mit dem, doppelt so teuren, iPad 2 verglichen - ein recht unfairer Vergleich. Ja, das Archos 101 G9 Turbo ist günstig und wirkt auch so. Das Gehäuse ist aus Kunststoff und nicht gerade verwindungssteif. Der "Turbo"-Aufkleber auf der Vorderseite macht dem "MADE IN CHINA" auf der Rückseite alle Ehre. Aber es ist flott und spielt auch HD Videos ruckelfrei ab - wer mit dem vorinstallierten Media Player von Archos MPEG2 Videos oder AC3 Ton ausgeben will, wird in den Archos Shop verwiesen - für je 6 Euro oder 10 Euro für beides zusammen bekommt man die entsprechenden Codecs. Alternativ lädt man aus dem Play Store den Dice Player, dieser leistet für EUR 4,10 das selbe. Auch bei Google Earth ruckelt nichts, vom Nachladen der Karten abgesehen. Die Akkulaufzeit ist brauchbar, einen objektiven Benchmark kann ich aber leider nicht anbieten.
Es ist nur eine Kamera verbaut, an der Vorderseite, diese soll Videos in 720p aufnehmen können und reicht für Videotelefonie aus - wer einen Fotoapparat such wird enttäuscht. Der integrierte, ausklappbare Standfuß ist eine nette Idee und völlig ausreichend wenn man auf festem Untergrund Videos anschauen will. Wäre der Standfuß mittig und aus etwas stabilerem als Kunststoff gefertigt, könnte man auch noch tippen ohne das Tablet damit zum Wanken zu bringen.
Ich mag das Tablet - trotz kleinerer Mängel - nicht mehr missen. Im Bett oder unterwegs PDF Dokumente studieren - dafür ist das Tablet leicht genug. Den 3G Stick habe ich recht rasch nachgekauft, auch wenn mein Android Smartphone als Wireless AP herhalten kann - integriertes 3G ist dann doch praktischer und mit EUR 46,irgendwas auch nicht so teuer.
Ach ja, die (noch nicht erwähnten) kleinen Mängel: die Micro SDHC Karte ragt gut einen Millimeter aus dem Gehäuse und hätte man besser hinter einer Abdeckung versteckt - im Betrieb hat es jedoch noch nicht gestört oder zum ungewollten Auswurf geführt (wie in manch anderem Testbericht zu lesen). Einer der Gummifüße hat sich nach nur drei Tagen verabschiedet - meine entsprechende Mail wurde vom Support nach vier Stunden beantwortet, der Brief mit vier Ersatzfüßen lag nach vier Tagen im Postkasten - Kategorie "verschmerzbar".
Der Touchscreen ist zuweilen recht empfindlich und reagiert schon bei geschätzten 2 Millimeter Abstand - eine Rekalibrierung schafft hier Abhilfe. Und ein paar Applikationen meinen mit diesem Modell inkompatibel zu sein - das mag vielleicht an der CPU (!= Tegra) liegen obwohl diese recht leistungsfähig zu sein scheint.